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18:02

Kids (1995)

(Larry Clark)


«Kinderpornografie unter dem Gewand einer warnenden Dokumentation»

Rita Kempley, Washington Post, 25. August 1995



USA 1995
Regie: Larry Clark
Kamera: Eric Alan Edwards
Darsteller: Leo Fitzpatrick (Telly), Chloë Sevigny (Jennie), Justin Pierce (Casper), Yakira Peguero (Darcy), Sajan Bhagat (Paul), Billy Valdes (Stanly)
Länge: 91 Minuten



Reaktionen:

Kids ist mit seinem verstörend voyeuristischen Blick auf jugendliche Promiskuität nichts anderes als Kinderpornografie unter dem Gewand einer warnenden Dokumentation. Angesiedelt in einem nihilistischen Nimmerland folgt dieser schlüpfrige Film den Abenteuern des 16-Jährigen Telly (Leo Fitzpatrick), ein pickliger Peter Pan, der sich darauf spezialisiert hat, kleine ‹baby girls› zu entjungfern. Außer Pädophilen dürfte sich kaum jemand von dieser verantwortungslosen ‹Little Bo Peepshow› angesprochen fühlen.
Das eigentliche Enfant terrible ist hier Regisseur Larry Clark, ein Fotograf, der schon früher, in Teenage Lust Kindersex erforschte, einem Buch das explizite Fotos von Kindern und Jugendlichen zeigte, die sich mit so perversen Praktiken wie Fesselspielen beschäftigten. Offensichtlich ist dies eine Obsession. [...]
Kids dürfte Eltern zweifellos furchtbare Angst einjagen. Die meisten werden ihren Nachwuchs aber nicht unter den Kindern, von denen einige erst 9 oder 10 Jahre alt zu sein scheinen, wiedererkennen. Keines davon scheint eine funktionsfähige Verbindung zur Welt der Erwachsenen zu haben. [...]
Clarks Kids fehlt es an moralischer Orientierung ebenso wie an Mitgefühl. Sie sind nichts anderes als Puppen. (Rita Kempley, Washington Post, 25. August 1995)

Kids setzt auf den Skandal, den der Film in Amerika erwartungsgemäß provozierte. Denn das Obszöne der Bilder entspringt der bedachten Verwechslung von Kino und Leben, eine Gleichung, die seit Pulp Fiction der Gewalt beizukommen glaubt und der zufolge sich Authentizität wie von selbst einstellt, wenn man alles Verständnis fahren lässt und die Kamera nur gnadenlos draufhält.
Zarte Haut, knallharter Slang, müde grinsende Kindergesichter. Clarks Methode ist die Schocktherapie, die sich den Zynismus seiner Helden anverwandelt und ihren Körperkult eins zu eins in eine raue Körpersprache übersetzt. Ein Trash-Film, der mit Schweiß, Spucke, Sperma und Blut auch die Wahrheit über die No-Future-Teenies abzusondern behauptet. Aber Kids zeigt nur ihre Moden und Rituale. Ihrem Wesen kommt Clark nicht näher als die Schlagzeilen der Sensationspresse. (Christiane Peitz, Die Zeit, 10. November 1995)

• Wenn ein Aufklärungsfilm von seinem Zielpublikum nicht mehr gesehen werden darf, dann hat er keinen Sinn, außer dass er unterhält oder einen Skandal entfacht. Unterhalten tut er nicht, aber der Skandal ist perfekt. Kids zeigt auf, wie prüde unsere Gesellschaft ist, die einen offensichtlichen Jugendfilm Jugendlichen vorenthalten will. («Wildcat», Biwidus [Zürcher Jugendmagazin], 1. Februar 1996)


Trailer (Quelle: youtube)