{"id":330,"date":"2021-05-05T10:59:03","date_gmt":"2021-05-05T09:59:03","guid":{"rendered":"https:\/\/www.skandalfilm.net\/?p=330"},"modified":"2021-05-07T07:51:53","modified_gmt":"2021-05-07T06:51:53","slug":"funny-games-1997","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.skandalfilm.net\/?p=330","title":{"rendered":"FUNNY GAMES (1997)"},"content":{"rendered":"\n<div class=\"wp-block-image\"><figure class=\"alignleft size-large is-resized\"><a href=\"http:\/\/www.skandalfilm.net\/wp-content\/uploads\/funny_games.jpg\" rel=\"prettyphoto[g330]\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"http:\/\/www.skandalfilm.net\/wp-content\/uploads\/funny_games.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-57\" width=\"200\" height=\"290\" srcset=\"https:\/\/www.skandalfilm.net\/wp-content\/uploads\/funny_games.jpg 450w, https:\/\/www.skandalfilm.net\/wp-content\/uploads\/funny_games-206x300.jpg 206w\" sizes=\"(max-width: 200px) 100vw, 200px\" \/><\/a><\/figure><\/div>\n\n\n\n<p>\u00ab<strong>Ein bisschen erinnern die Kontroversen rund um <em>Funny Games<\/em> an die <em>Natural Born Killers<\/em> von Oliver Stone<\/strong>\u00bb<\/p>\n\n\n\n<p><em>Claus Philipp, Der Standard, 12. September 1997<\/em><\/p>\n\n\n\n<div style=\"height:1px\" aria-hidden=\"true\" class=\"wp-block-spacer\"><\/div>\n\n\n\n<p>\u00d6sterreich 1997<br \/><strong>Buch und Regie<\/strong>: Michael Haneke<br \/><strong>Kamera<\/strong>: J\u00fcrgen J\u00fcrges<br \/><strong>Darsteller<\/strong>: Susanne Lothar (Anna), Ulrich M\u00fche (Georg), Arno Frisch (Paul), Frank Giering (Peter), Stefan Clapczynski (Schorschi)<br \/><strong>L\u00e4nge<\/strong>: 109 Min.<\/p>\n\n\nngg_shortcode_0_placeholder\n\n\n\n<p class=\"has-medium-font-size\"><strong>Reaktionen<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>\u00abHaneke hat recht, wenn er manche Verherrlichungen von Gewalt eng mit der gegenw\u00e4rtigen Praxis der Massenmedien zusammendenkt \u2013 aber sein polemischer Ingrimm, mit dem er Grausamkeiten noch zuspitzt, beliefert letztlich nur einen Markt, der tats\u00e4chlich immer h\u00e4rteren \u2039Stoff\u203a sucht. Ein bisschen erinnern die Kontroversen rund um FUNNY GAMES an die NATURAL BORN KILLERS von Oliver Stone. Auch dort gab jemand vor, mediale Gewalt zu dekonstruieren. Auch das wurde letztlich nur modisch begr\u00fc\u00dft \u2013 f\u00fcr schwere Denke bei kulturpessimistischen Selbstgei\u00dflern bzw. als Schauwert f\u00fcr MTV-Freunde.\u00bb<br \/><em>Claus Philipp, Der Standard, 12. September 1997<\/em><\/p>\n\n\n\n<p>\u00ab<strong>Keine Mitt\u00e4terin werden \u2013 Leserbrief einer FSK-Veteranin<\/strong><br \/>Nat\u00fcrlich ist meine Ausgangsposition hoffnungslos, wenn ich mir die Bewertung eines Films anma\u00dfe, den ich selbst nicht gesehen habe, sondern nur durch Aussagen des Regisseurs und Kostproben ver\u00f6ffentlichter Meinung abst\u00fctzen kann. Wie meist bei auff\u00e4lligen Filmen sind sich die Kritiker auf interessante Weise uneins. Nach der S\u00fcddeutschen Zeitung beispielsweise spielt in FUNNY GAMES nicht das M\u00f6rdertrio mit seinen Opfern, sondern der Regisseur mit den Kinobesuchern, w\u00e4hrend die Frankfurter Allgemeine den \u2039\u00dcberw\u00e4ltigungscharakter des Mediums\u203a preist. Streng genommen ist auch nicht der umstrittene Film das \u2039Opfer der Begierde\u203a (zur Kritik!), vielmehr ist es die hohe Bewertung des Films durch mir bekannte und gesch\u00e4tzte Filmberater, die ihm das Pr\u00e4dikat sehenswert verpassten. Trotz meines Respekts werden sie mich nicht zum eigenen Augenschein auf den Marsch ins Kino setzen. Mit der Unterschiebung, \u2039die Brisanz der Fragen, die Haneke in diesem grausamen Spiel anschneidet nicht ernsthaft zur Kenntnis zu nehmen\u203a (film-dienst) werde ich \u2013 und hoffentlich auch andere Besuchsverweigerer \u2013 leben k\u00f6nnen. Tr\u00f6stlich immerhin, nicht durch einen schweren Golfschl\u00e4ger l\u00e4diert zu werden, der auf ein Schienbein saust! [&#8230;] Zwar scheint mir der Disput \u00fcber zunehmende Gewaltbereitschaft ohne zus\u00e4tzlichen Aufkl\u00e4rungsbedarf, denn die Fakten ihrer Realit\u00e4t kommen t\u00e4glich wie frische Semmeln schon auf den Fr\u00fchst\u00fcckstisch und gegen Vertrauensseligkeit an der Haust\u00fcre hat uns schon Eduard Zimmermann geimpft. Aber Hanekes Warnung vor dreisten Unholden ist, wenn ich die Interpreten richtig verstehe, nur ein Nebeneffekt seiner Geschichte. In Wirklichkeit will er die verdeckt im Kino sitzenden Komplizen erschrecken, die mit wohlig ausgestreckten Beinen und einer T\u00fcte Popcorn im Scho\u00df das Brutalmonster Film skrupellos genie\u00dfen, heute wie gestern und morgen. Ihr Genuss ohne Reue am Nimbus der Gewalt, bar jeden Mitgef\u00fchls und Gnade f\u00fcr ihre Opfer, stempelt sie zu schuldhaften Mitt\u00e4tern. Weil das Potential mitgelieferter Brutalit\u00e4t den genussvollen Unterhaltungseffekt nicht aufwiegt, greift Haneke zum Mittel inszenierter Qu\u00e4lerei als erzwungener Selbsterfahrung des Zuschauers. Der sanften Tour als Transportmittel von Einsicht und Einkehr misstrauend, will er den Leuten im Kino durch Zuf\u00fcgung schmerzhafter Gef\u00fchlsverletzung den Appetit auf Mediengewalt verderben. Daf\u00fcr nimmt er offensichtlich ein moralisches Recht in Anspruch, Grenzen des Zumutbaren bewusst zu \u00fcberschreiten. Diese Grenzen sind freilich nirgendwo authentisch definiert und verbindlich festgeschrieben. Aber jede Gesellschaft entwickelt Grenzwerte zum eigenen Schutz und zur Gefahrenabwehr f\u00fcr ihre B\u00fcrger. Die Missachtung dieser Grenzlinie etwa durch die These, dass der Zweck die Mittel heiligt, ist erfahrungsgem\u00e4\u00df ein moraltheologischer Irrtum mit nachhaltigen Folgen. Auch das hom\u00f6opathische Rezept, Gleiches mit Gleichem zu heilen, taugt nur f\u00fcr die Medizin. Gibt es \u00fcberdies Sinn, wenn ein Teil der Zielgruppe vorzeitig das Kino verl\u00e4sst und statt mit bewegendem Ernst und gewecktem Problembewusstsein mit Unlustgef\u00fchlen fl\u00fcchtet und sei es auch nur aus \u00c4rger \u00fcber verlorene Zeit und verschwendetes Geld?<br \/>Vielleicht ist Haneke im Umfeld heutiger P\u00e4dagogik nicht ganz zuhause. Sie hat n\u00e4mlich l\u00e4ngst erkannt, dass f\u00fcr Einsicht und Umkehr zum Guten nicht Abscheu vor dem B\u00f6sen als Triebfeder taugt oder gar Einsicht und Einkehr bewirkt. Unsere Eigenhaftung am Unrecht l\u00e4sst sich nur schwer durch Argumente abl\u00f6sen und durch Angstgef\u00fchle vor sch\u00e4dlichen Folgen abbauen. Es gilt vielmehr, alternative \u2039Inszenierungen\u203a von Lust zu entwickeln, wie sie die sogenannte \u2039Erlebnisp\u00e4dagogik\u203a einfallsreich praktiziert, um der Sache mit dem \u2039Kick\u203a auf der Spur zu bleiben, einem Anreiz zum Objektwechsel f\u00fcr Interesse, Spannung und Lust. Ich zweifle am teuer erkauften Sinn von Hanekes s\u00e4kularisiertem Heilsangebot. In diesen Wochen hat ein Philosophenkongress wieder am giftigen Duft der \u2039Blumen des B\u00f6sen\u203a geschl\u00fcrft, um auf seinen verf\u00fchrerischen Geschmack zu kommen (Baudelaire). Dass er jederzeit abrufbar ist, konnten Psychologie und P\u00e4dagogik bisher nicht verhindern. Aber dass auch Gef\u00fchle wie Menschenliebe, Gemeinsinn, Mitleid und Vergebung und ein \u00fcberflie\u00dfendes Herz \u2039duften\u203a k\u00f6nnen, \u00fcberl\u00e4sst den \u2039Blumen des B\u00f6sen\u203a wenigstens nicht alle Chancen. Diesen Duft auch im Kino in die Nase zu bekommen, ist gewiss nicht weniger \u2039sehenswert\u203a als Hanekes \u2039Thriller\u203a. Er deckt auch Modergeruch auf, den im eigenen Herzen ganz gewiss.\u00bb<br \/><em>Leserbrief von Paula Linhart, langj\u00e4hrige Vertreterin Bayerns in den Aussch\u00fcssen der FSK, zur Kritik von FUNNY GAMES im Film-Dienst<\/em><\/p>\n\n\n\n<div style=\"height:20px\" aria-hidden=\"true\" class=\"wp-block-spacer\"><\/div>\n\n\n\n<p><a href=\"http:\/\/www.youtube.com\/watch?v=q7mm7jdgOes\" rel=\"prettyphoto[g330]\"\">Trailer<\/a> (Quelle: YouTube)<\/p>\n\n\n\n<div style=\"height:20px\" aria-hidden=\"true\" class=\"wp-block-spacer\"><\/div>\n\n\n\n<p class=\"has-small-font-size\"><strong>Screenshots:<\/strong> aus DVD, erschienen bei Concorde<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>\u00abEin bisschen erinnern die Kontroversen rund um Funny Games an die Natural Born Killers von Oliver Stone\u00bb Claus Philipp, Der Standard, 12. 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